Portrait Egidio Marzona
© Luc Saalfeld
Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, bleiben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bis einschließlich 20. April 2020 geschlossen.

Egidio Marzona

Egidio Marzona, 1944 in Bielefeld geboren, entstammt einer deutsch-italienischen Fabrikantenfamilie. Seine Haltung als Sammler ist stark vom Kunstbegriff der 1960er Jahre, insbesondere von der Konzeptkunst, geprägt. Seine Aufmerksamkeit gilt nicht nur dem Kunstwerk, er interessiert sich ebenso für den künstlerischen Prozess wie auch für das Umfeld des Künstlers - mitsamt den dabei generierten Materialien. Erste Kunsterwerbungen tätigte er ab 1968 mit Werken der Arte Povera und von Künstlern wie Robert Ryman, Marcel Duchamp oder Joseph Beuys. Es wuchs das Bedürfnis, größere Zusammenhänge zu verstehen, einordnen zu können und Erklärungen zu erhalten. Junge Galeristen wie Konrad Fischer, Rolf Ricke oder Heiner Friedrich wurden in diesem Zusammenhang zu wichtigen Gesprächspartnern. Sie ermöglichten Marzona, mit zeitgenössischen Künstlern persönlich in Kontakt zu treten. Darüber hinaus wurde der Sammler stark vom bereits für die Stuttgarter Weißenhof-Siedlung tätigen Architekten und Kunstsammler Heinz Rasch beeinflusst, der sein Mentor wurde.

1972 eröffnete Marzona in Bielefeld eine eigene Galerie, die er bald wieder schloss, um seinen eigenen Verlag "Edition Marzona" zu gründen. Seine ersten Bücher widmeten sich unter anderem dem großen Thema "Bauhaus" und dem bis dahin wenig erschlossenen künstlerischen Umfeld. Im Rahmen der Erarbeitung seiner Publikationen trug er eine Fülle an Kunstwerken, Designobjekten, Zeichnungen, Plänen, Plakaten, Dokumenten und Ephemera aus den unterschiedlichsten künstlerischen Strömungen der Avantgarden in Kunst und Architektur zusammen, angefangen mit den Futuristen, Dadaisten, Konstruktivisten und Surrealisten, über Werkbund, Bauhaus, HfG Ulm bis zum Black Mountain College. Den Schlusspunkt bilden Kunst, Design und Architektur der 1960er bis 1980er Jahre (Fluxus, Konzeptkunst, Strukturalisten bis zu Postmoderne, Neue Wilde und Memphis).

Die so entstandene, heterogene Sammlung aus Materialien aus Kunst, Film, Literatur, Musik, Design und Architektur begann Marzona nach Beendigung seiner verlegerischen Tätigkeit zu ordnen, durch weitere eigene Recherchen und gezielte Ankäufe zu ergänzen und systematisch zu dokumentieren. Dabei konnte er auch komplette Archive von Kunst- und Architekturkritikern erwerben. Egidio Marzona entschied 2002 und erneut 2014, Teile seiner Kunstsammlung und ergänzende Dokumente seines Archivs den Staatlichen Museen zu Berlin (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) zu schenken. Im Sommer 2016 gab der Sammler bekannt, sein umfangreiches Archiv den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu stiften. Der Schenkungsvertrag wurde am 6. Dezember 2016 unterzeichnet.

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